Frank is back!

Rocky Horror ist in. Anders kann man das Phänomen der derzeitigen Rocky Horror Schwemme an deutschen Bühnen wohl nicht bezeichnen. Jetzt hat es auch das Ensemle vom Bamberger E.T.A..-Hoffmann-Theater erwischt. Dabei ist es dem Haus gelungen eine Rocky Horror Crew auf die Beinen bzw. die Bühne zu stellen, die sich ausschließlich aus Mitarbeitern des Theaters zusammensetzt. Dabei macht man auch nicht vor der Besetzung von Mitarbeitern aus dem nicht künstlerisch tätigen Personalbereich halt, was der Inszenierung aber überhaupt keine Abbruch tut.
v.l.n.r.: Riff-Raff (G.Veitl), Magenta (K.Bangert), Frank-N-Furter (F. Walter), Columbia (D. Politiki)v.l.n.r.: Janet (E. Klemt), Brad (S. Sommerfeld)
Die Fotos wurden gemacht von: Ingrid Rose

B E S E T Z U N G S L I S T E

Frank-N-FurterFlorian Walter
Riff-RaffGeorg Veitl
MagentaKatharina Bangert
ColumbiaDinah Politiki
Rocky HorrorJan-Sandro Berner
EddieStefan Dzierzawa
Brad MajorsSebastian Sommerfeld
Janet Vice (sorry Weiss)Eva Klemt
Dr. ScottEckhart Neuberg
ErzählerAndreas Ulich
Phantoms/Transsylvanians
Melanie de Groot
Gülden Güler
Chriatiane Grebita
Barbara Ottenschläger
Hans Dieter Roll
Thomas Sandner
Stefan Schwuchov

Die Phantome kommen von der Body & Soul - Dance Company
Für schön-schaurig-rockige Musik sorgt The Rocky Horror Band: "The hot potatoes" mit:
E-Bass - Jens Balzereit; Saxophon - Konrad Haas; Keyboard - Yvonne Preising; Guitars - Norbert Schramm; Drums - Andreas Vogt
Musikalische Leitung: Wolfgang Netzer
Inszeniert hat das Ganze: Axel Stöcker

Vielen Dank an Hans Dieter Roll, der so lieb war mich einzuladen und einige Informationen an mich weiterzuleiten.
Lieber Hans Dieter und Verana,
vielen Dank für den schönen Abend und die Einladung. It´s so dreaming ....!

Der "Palace of Darkness" wünscht weiterhin viel Spaß und Erfolg.

KRITIK UND PRESSESTIMMEN

Bamberger FT:

Zügellose Hausparty mit den Transvestiten aus Transsylvanien

Als Musical-Koproduktion mit der Bühne Ingolstadt inszeniert Axel Stöcker "The Rocky Horror Show" im Bamberger E.T.A.-Hoffmann-Theater
Mach´s noch einmal, Frank! Der süße Transvestit aus dem transsexuellen Transsylvanien läßt sich nicht zweimal bitten. Herzzerreißend lutscht er seinen Satanic-Song ins Mikro und bringt endlich auch die tiefgekühlte Volksseele in den hinteren Reihen zum Kochen. Tollhaus Theater. Geballte Ladungen Reiskörner und Clopapierschlangen über den Köpfen, Mitklatschen, Mitsingen, Mitwippen auf den Samtstühlen, auf denen es viele längst nicht mehr hält. Große Sause im großen Haus - "The Rocky Horror Show" macht´s möglich. Rosenmontagsstimmung bei der Premiere am Samstagabend, das elektrisierte Publikum im E.T.A.-Hoffmann-Theater tobte.
Wieder Musical-Time am Schillerplatz. Unter Prinzipal Rainer Lewandowski längst zur guten Tradition gemausert, sind die couragierten Exkursionen des Bamberger (Sprech) Theaters ins Reich von Musik und Choreographie immer wieder für eine Überraschung gut. Regisseur Axel Stöcker, der schon die "Linie 1" sicher ans Regnitzufer steuerte, setzt jetzt mit der grellen Science Fiction-Kult-Show noch eins drauf. In Koproduktion mit dem Theater Ingolstadt - bis auf Darsteller und Bühnenbild sind die Aufführugen austauschbar - ist allen Beteiligten ein ganz großer Wurf gelungen.
Schauplatz der schauerlichen Orgie ausgeflippter Transvestiten, Monster und Mutanten ist eine riesige, grünpatinierte Stahl-Arena (Bühne: Peer Palmowski) mit Anklängen an Frankensteins Laboratorium und Raumschiff Orion. Gruftig-unterkühlte Metall-Kulisse für eine laszive Halbwelt, die hemmungslose Lebenskünstler und künstliche Menschen hervorbringt. Stimmig die Live-Musik, in Ton und perspektivischer Anordnung: spritzig-schnörkelloser Rock der stereo-gemäß auf die Bühnenlogen links und rechts entzweiten "Hot potatoes"-Band. Gute äußere Voraussetzungen also für zwei Stunden unterhaltsame Kurzweil.
Die ist dann auch garantiert, dank eines mit spürbarem Spaß zu Werke gehenden Ensembles, dessen treffsichere Präsenz die vielen Spitzen des Stückes und die vielen feinen Regieeinfälle gesanglich, spielerisch und choreographisch verblüffend routiniert auf den Punkt zu bringen weiß. Allen voran natürlich Florian Walter als unverschämt aufreizender Frank´N´Furter. Eine Rolle, auf die man - einen unvergleichlichen Tim Curry im Hinterkopf - besonders gespannt sein durfte. Rigoros fegt der Bamberger alle Zweifel weg. Als androgyner sweet Transvestide mit strohblonder Mähne, deftigem Make-up, Strapsen, Strümpfen und schonungslosen Absätzen oberaffengeil auf Vordermann/frau gebracht, läßt Walter genüßlich kokettierend die Sau raus und wickelt mit seiner unwiderstehlichen Verführungskunst Bühnenfiguren und Publikum gleichermaßen um den kleinen Finger. Eine Spitzen-Parodie.
Verführerisch freilich die gesamte Truppe, die anfangs verklemmte, später zu sexueller Hochform auflaufende Pärchen Brad und Janet (unnachahmlich Sebastian Sommerfeld als verschüchteter Dressman für weiße Herrenunterwäsche, Eva Klemt als ohnmachtsanfälliges Mädchen voller Wallungen) beim wechselvollen Bettgeflüster mit Meister Frank an der Rampe. Riff-Raff (Georg Veitl), der quirlig-schräge Diener Marke Leichenbestatter. Die verschmitzt-schillernden Hexenbräute Magenta (Katharina Bangert) und Columbia (Dinah Politiki). Das allmählich auch unterhalb der Gürtellinie zu Leben erwachende, nicht eben helle Retorten-Riesenbaby Rocky (Jan-Sandro Berner) mit Arnold Schwarzenegger-Siegel. Der trotz seiner Dickhäutigkeit bald kopflose Eddie (sympathisch nervös Stefan Dzierzawa). Und nicht zuletzt: Andreas Ulich als urkomisch-trotteliger Inspektor Cluseau-Verschnitt mit Trenchcoat, Pepita-Hut und Sonnenbrille; inkognito schließlich Eckhart Neuberg als Dr. Everett Scott, der ebenfalls nicht verschont bleibt und bei einer aberwitzigen Revuenummer im Rollstuhl kess Bein zeigt. Tänzerische Unterstützung dazu durch die Body & Soul-Dance Company, eine Hitparade der Kostüme, garniert mit Nebelschwaden, Spotlights und sonstigen grellen Zutaten.
Am Ende allgemeines Abheben, der Saal schäumt. Standing ovations und Zugabenwettstreit. Aus dem Parkett wagen sich ein paar ganz Mutige nach oben zum Tänzchen mit den Transsylvaniern. Beine und Herzen schlagen höher. Atemloser Abgang nach einer erfrischend zügellosen Hausparty, die wir so schnell nicht vergessen werden.
Gottfried Pelnasch

Hier ist die Kritik der Mastress

Theaterkritik zur "Rocky Horror Show" im Bamberger E.T.A. - Hoffmann Theater

It´s astounding ...

Die Rocky Horror Welle hat nun also auch Bamberg erfaßt. Ungeniert treiben die transsylvanischen Erdenbesucher auf der Bühne ihr Unwesen und ziehen dabei auch so manchen unbedarften Theaterbesucher in ihren Bann. Darunter auch ein etwas zu spät kommendes Pärchen, das sich zur Strafe dafür auf der Bühne wiederfindet und sich bei näherem hinsehen als Brad (Sebastian Sommerfeld) und Janet (Eva Klemt) entpuppt. Ein netter Einfall der Regie, der Erinnerungen an Stage Groups weckt, die prinzipiell fehlende Darsteller durch überraschte Zuschauer ersetzen. Leider folgt auf diesen Einfall gleich der erste Schwachpunkt, denn Magentas (Katharina Bangert) und Columbias (Dinah Politiki) Schlagen gegen den eisernen Vorhang können die erwartete und nötige düstere Gewitterstimmung nur erahnen lassen und so erfolgt der Spritzpistolenregen anfangs auch nur sehr zögerlich. Auch ein netter, wenn auch ungewöhnlicher Einfall ist die Verkörperung des Erzählers (Andreas Ulich) als Inspektor Cluseau-Verschnitt. Das ermöglichst einige zusätzliche Gags, aber leider rutscht dabei die Inszenierung auch ab und zu wegen all zu starker Übertreibungen in den Bereich der Slapstick ab. Auch die Choreographie hinkt an einigen Stellen arg. Besonders der Time Warp, wohl der bekannteste Song des Musicals, reißt in dieser gespielten und getanzten? Form niemand von den Sitzen. Freunde, man tanzt diesen Song vor allem mit den Beinen und nicht mit den Armen! Das geht auch auf einer kleinen Bühne. Auch nicht eben eine Glanzleistung ist die Umsetzung des Songs "Don´t dream it - Be it". Was will uns der Künstler wohl damit sagen? Sicher überlegen sich das auch die Akteure wenn sie in sicherem Abstand voneinander auf der Bühne stehen. Während Georg Veitl (Riff- Raff) und Katharina Bangert (Magenta) gekonnt ihre Figuren mit einem diabolischen Touch versehen und als tiefgründiges (Geschwister)Pärchen überzeugen, ist Florian Walter alias Frank-N-Furter anfangs arg gewöhnungsbedürftig. Vor allem mit seinem blonden Strubbelhaar unterscheidet er sich doch arg von dem was man als Frank erwartet und irgendie fehlt die feminine Note. In dieser Hinsicht vermisse ich vor allem das übertriebene, dunkle Augenmake up und die obligatorische Kette. Aber was Florian Walter am Aussehen fehlt macht er mit ausdrucksstarken Spiel und vor allem einer unglaublichen Stimme wieder wett. Ziemlich gewagt, aber dennoch ein voller Erfolg die Bettszene, die zur Abwechslung mal nicht hinter einer spanischen Wand sondern unverhüllt (von Seidenlaken abgesehen) am Bühnenrand gespielt wird. Für mich das Beste, was ich in dieser Form je gesehen habe. Erstaunlich, hier zeigt Axel Stöcker, der Regisseur, sehr feines Gespür für Details. Etwas was man sonst leider oft im Stück vermißt. Bei der Farbsprache hat der Mann wohl ganz gefehlt, denn sonst wäre er wohl nicht auf die Idee gekommen ausgerechnet Dr. Furter in der Farbe der Unschuld, nämlich einem weißen Laborkittel agieren zu lassen, während Brad und Janet grüne bekommen.
Für mich auch nicht unbedingt das gelbe vom Ei Jan-Sandro Berner als Rocky. Zwar wirkt er neugierig und leicht dümmlich, aber er erinnert eher in seiner Art an Pinoccio oder eine Marionette als an das sexy Spielzeug seines Meisters.
Absolut genial fand ich Stefan Dzierzawa als Eddie. Er kommt auf die Bühne gelatscht als gänge ihn das alles gar nichts an und er läßt sich durch nichts, abgesehen von Frank´s Kettensäge, aus der Ruhe bringen. Auch fast nicht aus der Ruhe bringen (abgesehen von meinen Zwischenrufen bei Eddys Teddy) läßt sich Dr. Scott (Eckhart Neuberg), der im karrierten Röckchen einen Floor Show Auftritt der besonderen Art hat.
Unterstützt werden die Schauspieler während der ganzen Show durch die Body & Soul-Dance Company, die trotz der kleinen Bühne gut herüberkommen und natürlich von der Rocky Horror Band: "The hot potatoes", die auch ganz gern mal einen Toast auf Rocky werfen. Wer den Mut aufbringt kann bei der Zugabe die Akteure auf der Bühne besuchen und mit ihnen ein Tänzchen wagen. Wie gern würde ich mit der Truppe den Time Warp mal richtig tanzen aber ich begnüge mich damit, mit Riff- Raff "Hot Patootie" zu tanzen. Da ich eh im goldenen Frack gekommen bin und Columbia am liebsten spiele, das passende Lied für mich.
Trotz einiger Mängel und Inszenierungsschwächen, eine Vorstellung bei der ich mich amüsieren kann, vor allem wenn man bedenkt, daß die Schauspieler allesamt zum Bamberger Ensamble gehören, also auf Gastakteure ganz verzichtet wird.
Fast hätte ich es doch noch vergessen. Ein besonderes Lob an dieser Stelle an die Leute, die für das Bühnenbild zuständig sind. Sie haben tolle Arbeit geleistet.
Simone Violka

Alle Kritiken stammen aus den angegebenen Zeitungen und wurden an den mit Punkten versehenen Stellen leicht gekürzt. Sie geben keine Meinung der Pageverfasserin wieder. Private Kritiken werden unter Namensangabe extra veröffentlicht.